Frauenansichten zur Weiblichkeit

AVA-Magazin (online) 04.09.2010

Erst kamen drei Männer zu Wort, wie sie Weiblickeit sehen, was für sie "typisch Frau" ist. Doch wie empfinden und leben Frauen heutzutage ihre weibliche Identität? Hier sprechen Flirtcoach und Buchautorin Nina Deißler ("Klartext für Männer. Was Frauen wirklich wollen.") und Heilpädagogin Brigitte Zeising mit avaAutorin Christine Dittmann über die weibliche Sicht auf das facettenreiche Thema "Frau,Was bedeutet Weiblichkeit für Sie persönlich?...

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Wiederentdeckung der Weiblichkeit

Mutterschaft, Schönheit und Familiensinn, sind das weibliche Eigenschaften? Roter Lippenstift, Highheels und kurzer Rock, sind das die heutigen Symbole der Weiblichkeit?

Das Weib ist die Hüterin der Mutter Erde, die schöpferische Kraft, sie nährt ihre Kinder und verbindet die Gemeinschaft. Sie lässt sich durch ihre Intuition führen, ist empfänglich und kann warten. Sie öffnet sich mit Hingabe ihren Partnern und lebt ihre Sinnlichkeit. Ist das ein Idealbild der inneren Weiblichkeit?

Oder ist das Weib die zickige Kämpferin, mit großem Busen, breiten Becken und rundem Po? Wie zeigt sie sich im Außen, wie ist die Weiblichkeit im Inneren?

In der Mythologie gibt es viele Frauen, die für weibliche Eigenschaften stehen, wie beispielsweise die ewigen Jungfrau Hestia, die Verführerin Lilith, die Mütter Eva, Hera, die Hüterin der Erde Persephone oder die alte Weise, die auch von Demeter verkörpert wird. Doch wie leben Frauen heute ihre weibliche Identität?

Was bedeutet Weiblichkeit für Sie persönlich?

Brigitte Zeising: Schön sein wollen und weich sein dürfen gehört für mich zur Weiblichkeit. Multitasking ist genauso fraulich wie Fürsorge und Umsorgen. Aber auch auf Männer wirken und gesehen werden ist etwas, was wir Frauen genießen. Die eigene Erotik nicht verleugnen und selbst Spaß haben gehört für mich zum Frau sein dazu.

Nina: Für mich hat Weiblichkeit viele Aspekte.

Dazu gehört das brave gute Mädchen, die wilde Frau, die Amazone, die Frau die an Lust Spaß hat, aber auch die kräftige Starke. Wir Frauen sind die erschaffende Kraft, die Schöpferinnen, die den Nachwuchs gebären. Männer dagegen haben eine zerstörende und transformierende Energie. Sie sind praktischer, die Macher.

 

Brigitte: Frauen sind häufig für andere die treibende Kraft. Sie schaffen den Rahmen, damit Entwicklung gedeihen kann. Sie können eher Geschehen lassen.

Nina: Ja, genau. Männer machen. Frauen sind. Sie verbinden und sind meist solidarisch.

Welche äußeren Merkmale gehören zur Weiblichkeit?

Brigitte: Rundungen und schöne Bewegungen präsentieren für mich die Weiblichkeit.

Nina: Natürlich gehören auch Busen, Hintern, lange Haare, Hals und Lippen zur Weiblichkeit. Eine Frau sollte nur zwei ihrer Merkmale hervorheben um Männer anzulocken. Wenn sie einen kurzen Rock trägt, dann bitte mit Rollkragen.

Ist mogeln erlaubt?

Nina: Ja, aber der Mann sollte die Frau am nächsten Morgen auch wieder erkennen.

Brigitte nickt.

Welche Eigenschaften oder Typen sind dem Weiblichen zugeordnet sind?

Brigitte: Wir hatten vorhin über das anständige Mädchen gesprochen. Die schöne zarte Prinzessin, die ebenfalls klug ist, gehört auch dazu. Ebenso die Zauberin, die unabhängige Frau. Sie ist sehr weise und genießt ihre Freiheit. Dabei bleibt sie geheimnisvoll.

Nina: Die Verführerin gehört ebenso zum Weiblichen, genau wie das Luder, aber auch die Mama, die umsorgt und hegt. Obwohl ich keine Kinder habe, führe ich gern Menschen zusammen, koche für sie wie eine italienische Mama. Den Familiensinn empfinde ich ebenfalls als weiblich.

Brigitte: Das Weibliche ist das soziale Element der Gesellschaft. Das verwundbar sein, gehört leider ebenso zur Frau. Sie hat häufig das Bedürfnis sich schützen zu müssen.

Nina: Auch das strategische Warten können Frauen gut. Sie können aushalten und ausharren, länger als die Männer.

Was macht eine Frau besonders weiblich?

Nina: Für die Frau ist es wichtig, den Mann zum Held zu erklären. Also ist es besonders weiblich, dem Mann den Raum zu geben, den hilfreichen Helden zu spielen. Frauen sollten warten und sich helfen lassen, beispielsweise in den Mantel. Besonders weiblich fühlt sich eine Frau, wenn sie ein Kleid trägt. Wenn sie an Erotik denkt, strahlt sie eine besondere Weiblichkeit aus.

Brigitte: Sie darf zu ihrem eigenen Wesen ja sagen, sich schön finden, aber trotzdem auch nein sagen, wenn ein Mann sie will. Sie darf sich beschützen lassen. Besonders weiblich finde ich weiche Bewegungen mit Leichtigkeit. Fürsorglichkeit ist eine weibliche Gabe.

Was zieht Männer am Weiblichen besonders an?

Brigitte: Ein schwingender Rock und gutes Essen, dem kann kaum ein Mann widerstehen.

Nina: Genau, lange Haare, Sex, gutes Essen und eine lange Leine, dass sind Dinge, die Männer begehren.

Gibt es auch weibliche Anteile im Mann?

Nina: Ja, und die Männer, die ihre weibliche Seite leugnen, bekommen meist gesundheitliche Probleme. Auch Männer dürfen Schwächen zeigen, das macht sie am Ende stärker.

Brigitte: Die Beschützerrolle hat auch etwas Weibliches.

Welche Prominente ist für Sie der Inbegriff der Weiblichkeit?

Nina: Sophia Loren finde ich aufgrund ihre Formen und ihres Temperamentes sehr weiblich. Ganz anders, aber auch weiblich finde ich Catrine Deneuve und Liv Taylor.

Brigitte: Auch ich finde Catrine Deneuve distanziert und sehr fein, weich und weiblich. Außerdem gefällt mir Coco Chanel oder die Schriftstellerin Amy Tan als weibliches Vorbild. Die Schauspielerin Ester Schweins ist auch eine tolle Frau.

Nina: Mir gefallen noch Ruth Moschner, Sonja Kraus und Barbara Schöneberger. Sie gehen mit ihrer äußeren Weiblichkeit sehr natürlich um.

Fehlt uns das Weibliche in der Gesellschaft?

Nina: Wir haben schon sehr lange ein männliches System, dass von Wachstum und Dominanz geprägt ist. Viele Frauen fordern daher eine Komplettzerstörung des männlichen Systems. Das halte ich für falsch. Der Kampf der Geschlechter bringt uns nicht voran. Gut wäre, wenn wir von der Vermännlichung der Frau wegkommen hinzu mehr Lust, Fürsorge und Verbindung.

Brigitte: Unbedingt sollte man beide Geschlechter gelten lassen. Das permanente Leistungssystem ist für alle ungesund. Zum Weiblichen gehört es beispielsweise Pausen zu machen. Das ist bisher verpönt in unserer Gesellschaft. Ich wünsche mir mehr Toleranz unter den Frauen, eine befreite Sexualität, und dass jeder nach seinem Zyklus leben kann. Zurzeit ist alles eher ein Machtproblem. Emanzipation bedeutet nicht gegen alles Männliche zu sein. Leben und leben lassen, beide Geschlechter sollten ihre Eigenarten akzeptieren.

Nina: Es fehlt uns an weiblicher Identität. Unsere Großmütter haben noch ein Leben geführt, dass sich dem Mann unterordnet. Unsere Mütter dagegen waren schon emanzipierte, selbstständige Frauen. Doch sie haben beide Anteile an uns weitergegeben, das verwirrt und alle Regeln sind verwaschen. Soll ich mich nun zieren, oder mir nehmen was ich will? Das macht es schwer seine eigene Rolle zu finden.

Brigitte: Die Arbeitswelt ist nach männlichen Regeln gestaltet. Da haben es weibliche Frauen besonders schwer.

Wie leben Sie ihre Weiblichkeit im Alltag?

Brigitte: Ich mache mich schön, trage Kleider oder Röcke, tanze gern und zeige mich dabei anderen. Genieße meine Sexualität allein oder mit meinem Partner. Auch wenn ich koche, lebe ich meine Weiblichkeit aus.

Nina: Schön machen, nicht nur für den Mann sondern für mich ist für mich etwas Weibliches. Ich mag es dem Männlichen Raum zu lassen. Ich genieße es, wenn mich ein Mann hofiert, mir die Tür aufhält. Es gibt mir so ein weiches Gefühl.

Brigitte: Wenn ich mit meinem Gegenüber flirte und ihm dabei in die Augen sehe, fühle ich mich sehr weiblich.